Das war glaube ich in NRW um diese Zeit auch so...ich muss 1993 in den Kindergarten gekommen sein, da war ich schon mehr als trocken. Bei meiner Schwester (drei Jahre jünger), war es dann schon wieder egal, die wurde Mitte der 90er (also wahrscheinlich 1996 als ich in die Schule kam) nicht trocken mit Windel in den Kindergarten aufgenommen. Man muss jetzt noch dazu sagen, dass sich meine Mutter die Arbeit gemacht hat und mich einem Jahr trocken bekommen hat. Muss ne ganz schöne Arbeit gewesen sein, wenn sie sich die Arbeit beim zweiten Kind nicht mehr gemacht hat. Hat meiner Schwester soweit ich weiß auch nicht geschadet mit Windel im Kindergarten rumzurennen, zumindest wäre mir nichts dergleichen bekannt, aber war natürlich nicht gestern und möglicherweise ist da auch das ein oder andere an Erinnerung verschütt gegangen.
Ich glaube nicht, dass es mit einer antiauthoritären Beziehung zu tun hat, die heute bestimmt verbreiteter ist als vor einigen Jahrzehnten. Es kann sein, dass sie sich mit auswirkt, aber alleine dafür verantwortlich sit sie bestimmt nicht. Nicht jeder erzieht antiauthoritär und damit ist die Verallgemeinerung, dass es daran liegt bestimmt nicht zielführend. Es hat bestimmt Auswirkungen und zwar in der Hinsicht, dass man eben nicht auf Biegen und Brechen versuchen muss ein Kind bis Tag X trocken zu kriegen. Ich glaube es ist einfach der Wandel der Gesellschaft, der hier die Hauptursache ist. Ich komme da nochmal zu meiner Mutter als Beispiel. Bei mir hat damals (zur Info ich bin "nur" BJ 1990) ein (Hadwerker-)gehalt ausgereicht um eine vierköpfige Familie vernünftig über die Runden zu kriegen, gut das war aufm Land, Haus durch meine Großeltern gebaut, also vielleicht ein paar begünstigende Rahmenbedingen, die noch dazu kamen wie z.B. keine Miete, dafür halt den üblichen Wahnsinn an Nebenkosten, die beim Eigenheim anfallen...also eigentlich kein wirklicher Gewinn. Wenn man das mal in die heutige Zeit überträgt, wage ich zu bezweifeln, dass das so noch funktioniert. Warum ist das jetzt wichtig? Naja ganz einfach bei mir hatte meine Mutter, dadurch, dass sie eben nonstop Mutter war, die Zeit um sich auf Dinge wie Kind trocken kriegen zu fokussieren. Heute in der Regel kaum denkbar, da ein Gehalt in der Regel nicht ausreicht um eine entsprechend große Familie vernünftig durchzukriegen, ntürlich gibt es Ausnahmen, aber die dürften eher weniger häufig sein. Selbst wenn ein Elternteil in der Elternzeit zu Hause bleibt, ist es mehr als sportlich, dann ein Kind schon trocken zu kriegen. Nahc der Elternzeit gehen in der Regelbeide wieder arbeiten...da fehlt es auch schlichtweg an Zeit...man kann sich nicht X teilen und muss irgendwo Abstriche machen...wenn es dann beim Trockenwerden ist, dann werden wohl viele Eltern einfach darauf warten, dass es passiert, denn es ist bestimmt nicht nur Druck, der auf die Kinder ausgeübt wird sondern Eltern werden sich wahrscheinlich auch selber unter Druck setzen und den hat man in der Regel bei zwei erbeitenden Elternteilen schon genug und wird versuchen zu Hause möglichst viel Ruhe zu haben und die Zeit mit seinen Kindern zu genießen. Ich sehe da den größten Faktor, der diese Entwicklung begünstigt. Andere Faktor, wie die Art der Erziehung können bestimmt noch eine zusätzliche Auswirkung haben, aber bestimmt haben auch "technische" Neuerungen wie bessere Aufnahmekapazität und längeres "Trockenheitsgefühl" von Windeln (das berühmte 12h Trockenheitsversprechen mal exemplarisch genannt) auch noch Auswirkungen, aber wie ich schon geschilderte habe nur zusätzliche und nicht ausschließliche.





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