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Thema: Das unerwartete Leben von Kai

  1. #1
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    Das unerwartete Leben von Kai

    Das unerwartete Leben von Kai - Teil 1

    Schwer beladen sprang ich die letzten Stufen der großen Treppe hinab und verließ als einer der Ersten das Schulgebäude. Endlich war es soweit, mein letzter Schultag war geschafft. Erleichtert schritt ich rasch in Richtung Parkplatz, wo ich abgeholt werden sollte. Mit jedem Schritt fühlte ich mich leichter und glücklicher. Würde ich meine Klassenkameraden vermissen? Naja, nicht wirklich. Vielleicht ein paar wenige. Wahrscheinlich aber nicht. Und meine Lehrer? Da musste ich nicht lange nachdenken. Zu ihnen hatte ich nie groß eine Bindung aufgebaut, wie so manch andere Schüler, die nicht genug davon bekommen konnten, lachend und kichernd unnötige Dinge mit den Lehrern in der Pause zu diskutieren. Und die letzten Tage hatten auch nicht gerade dazu beigetragen, mein Verhältnis zu irgendwem in der Schule zu verbessern. Ich war unzählige Male verabschiedet wurden, sowohl von meinen Mitschülern, als auch von meinen Lehrern. Schon zu Beginn der Woche hatte dies angefangen, als unsere Sportlehrerin mich am Ende der Stunde zur Seite nahm und mir “Alles Gute für deine Zukunft, lieber Kai” wünschte. Zuerst bedankte ich mich noch höflich, aber als ich dann heute von unserem Klassenlehrer, Herr Wohl, zum unzähligsten Mal nach vorne gerufen wurde und vor der ganzen Klasse verabschiedet wurde, wäre ich am liebsten einfach auf meinem Platz sitzen geblieben. Ich sagte nicht viel. Mehr als ein kurzes “Danke” bekam er nicht zu hören. Auch nicht, als er mir ein kleines Fotoalbum in die Hand drückte, dass die Klasse wohl extra für mich angefertigt haben musste. Ich hatte nicht einen Blick hineingeworfen und hatte es definitiv auch nicht vor. Wahrscheinlich würde es zuhause einfach im Mülleimer in der Küche landen.

    Am Parkplatz angekommen sah ich den Porsche meiner Mutter und ging zügig auf sie zu. Als sie mich erkannte, startete sie den Motor und winkte mir zu. Ich öffnete die Beifahrertür, warf meinen Schulranzen und die Tasche mit den restlichen Schulutensilien auf die Rückbank und stieg ein. Sie begrüßte mich und fragte mich, wie mein letzter Schultag denn gelaufen sein und ob ich mich von all meinen Freunden verabschiedet hatte. Ich nickte nur kurz, steckte mir meine Kopfhörer ins Ohr und blockte somit jede weitere Frage meiner Mutter ab. Wir fuhren los und ich drehte mich noch einmal herum, um einen letzten Blick auf den Ort zu erhaschen, an dem ich die letzten sechs Jahre so viel Zeit verbracht hatte. Dann bogen wir ab und die Schule entschwand aus meinem Sichtfeld.

    Ich sank tiefer in den Sitz des Autos und spürte dabei, wie sich ein leichter Druck in meiner Blasengegend aufbaute. Ich entspannte mich kurz und baute erst gar keinen Widerstand auf, es hätte ja sowieso keinen Sinn. Langsam wurde es warm in meiner Leistengegend, doch wie immer, saugte meine Windel alles blitzschnell auf und schon wenige Augenblicke später spürte ich nichts mehr von dem, was eben geschehen war. Ich dachte noch einmal zurück an meine Schulzeit. Wie viel Spott und Hänseleien habe ich die vergangenen sechs Jahre aushalten müssen, wie oft wurde ich “Baby” oder “Hosenscheißer” genannt.

    Dabei wusste keiner von ihnen, was wirklich los war. Keiner wusste, welche Qualen ich durchlitten hatte. Und nie war jemand auf die Idee gekommen, nach dem ‘Wieso’ zu fragen. Aber das war mir eigentlich ganz recht gewesen. Wie hätte ich ihnen auch erklären können, weshalb ich Tag und Nacht eine Windel trug? Ich kannte ja selbst den Grund nicht. Es hatte irgendwann einfach wieder angefangen. Zuerst nachts, später dann auch tagsüber. Ich konnte mir es selbst nicht erklären. Eine Psychologin, zu der mich meine Mutter vor einigen Jahren geschleppt hatte, nachdem kein Arzt eine körperliche Ursache feststellen konnte, meinte es läge wohl an der Trennung meiner Mutter von meinem Vater. Dies sei wohl “nichts ungewöhnliches” und “werde sich mit der Zeit wieder legen”. Aber nichts hatte sich gelegt. Ich konnte einfach nicht länger als wenige Augenblicke einhalten. Wenn ich es spürte, dann war es schon zu spät.

    Irgendwann hatte ich mich einfach damit abgefunden und meine Mutter wohl auch. So stand in meinem Zimmer jetzt immer ein großes Paket dicker Windeln. Ich kümmerte mich selbst um alles. Gewickelt wurde ich schon lange nicht mehr. Die einzige Aufgabe, die meine Mutter noch hatte, war sicherzustellen, dass immer ein neues Paket nachgekauft wurde, wenn sich das Alte dem Ende neigte. Den Rest übernahm ich.

    Plötzlich bogen wir in unsere Straße ein, ich hatte gar nicht bemerkt, wie viel Zeit schon vergangen war. Da war unser Haus, groß, mit drei Bädern und einem Haufen Zimmer, auf zwei Stockwerke aufgeteilt. Dazu gehörte noch ein Garten mit Pool, eine Terrasse und eine Garage, die fast so groß war, wie die Aula unserer Schule. All dies würden wir in zwei Tagen hinter uns lassen. Das Haus war schon verkauft und die meisten Sachen gut verstaut. Nur noch das Nötigste, wie unsere Betten, etwas Kleidung und ein paar Küchenutensilien warteten noch darauf, von dem Umzugsunternehmen abgebaut und eingepackt zu werden. Und dann, dann sollte es losgehen, in eine neue Stadt, eine neue Schule, ein neues Zuhause.

    Meine Mutter hielt vor dem Garagentor, ich stieg aus und hörte sie durch meine Kopfhörer hindurch: “Ich hole eben noch deinen Bruder ab, du kannst ja schonmal reingehen und... wechseln.” Dabei schaute sie mich an und deutete auf einen nassen Fleck an meiner Hose. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass meine Windel ausgelaufen war. Ich nickte wieder nur, drehte mich kommentarlos um und ging durch unseren Garten hindurch in Richtung Haus. Ich öffnete die Türe, vorbei an der Osterdekoration, die überall im Haus zu sehen war, warf den Schulranzen mit meinen Schuhen zusammen in die Garderobe, wohl wissend, dass meine Mutter mir nachher wieder einen Vortrag über Ordnung halten würde und ging nach oben in mein Zimmer, um meine Windel zu wechseln.

    Ich zog eine der Windeln aus dem Paket, das unter meinem Schreibtisch stand und machte mich auf dem Weg in Richtung Badezimmer. Ich wollte die Gelegenheit gleich nutzen und schnell eine Runde duschen. Ich zog mich also aus, warf die nasse Hose und den Body, den ich immer trug, um die Windel an ihrem Platz zu halten, in den Wäschekorb und stellte mich unter die Dusche. Die Windel warf ich von dort aus in einen kleinen Eimer, der genau dafür vorgesehen war. Ich genoss das warme Nass, dass über meine schulterlangen, blonden Haare lief und schloss die Augen. “Nie wieder zurück in diese Schule”, schoss es mir durch den Kopf und ich musste lächeln. Endlich konnte ich diese sechs Jahre hinter mir lassen. Den Spott, die Beleidigungen, die Traurigkeit. Ich versank in meinen Gedanken.

    Auf einmal klopfte es an der Badezimmertüre und ich hörte Finn durch die Tür rufen: “Das Essen ist gleich fertig, du sollst dich beeilen!” Finn war mein zwei Jahre älterer Bruder. Ich stellte also das Wasser ab, trocknete mich schnell ab und schnappte mir einen Haargummi vom Waschbecken, um meine noch feuchten Haare, zu einem Zopf zusammen zu binden. Auf Föhnen hatte ich jetzt wirklich keine Lust. Danach nahm ich mir etwas Creme aus dem Badezimmerschrank und begann meinen Intimbereich einzucremen. Dies war ein notwendiges Übel, denn auch, wenn ich danach immer wie Baby roch, so war meine Haut zu anfällig, um darauf zu verzichten. Ich cremte mich also ein, wusch meine Hände gründlich ab und schnappte mir die frische Windel und lehnte mich an die Badezimmertüre. Anfangs hatte ich alle möglichen Techniken ausprobiert, aber so fiel mir das wickeln am Einfachsten. Im Handumdrehen saß die frische Windel an der richtigen Stelle und ich ging in mein Zimmer, um mir etwas zum Anziehen herauszusuchen. Viel Auswahl hatte ich nicht, denn ein Großteil meiner Klamotten stand gut verpackt in einem Karton, irgendwo in der Garage. Also schnappte ich mir einen schlichten, blauen Body, der oben wie ein T-Shirt aussah und eine schwarze Jogginghose. Das musste ausreichen.

    So machte ich mich auf dem Weg nach unten ins Esszimmer, wo meine Mutter und mein Bruder schon am Tisch saßen. Unsere Haushälterin Yvonne, eine kleine rundliche Frau mit langen schwarzen Haaren, war gerade dabei, das Mittagessen aufzutischen. Es gab wohl Fisch mit Kartoffeln und Gemüse. Das war OK. Ich setzte mich auf meinen Platz und nachdem alles auf dem Tisch stand, setzte sich Yvonne zu uns. Obwohl sie offiziell unsere Haushälterin war, gehörte Yvonne eigentlich schon zur Familie. Seit ich zurückdenken kann, war Yvonne schon immer da gewesen und meine Mutter hatte mir einmal erzählt, dass sie seit nun fast 15 Jahren, kurz bevor mein Bruder geboren wurde, im Dienste unserer Familie stand. So war es ganz normal, dass auch sie einen festen Platz am Tisch hatte und mit uns zu Mittag aß. Sie lud uns allen die Teller voll und wünschte uns einen guten Appetit. Erst dann, nahm sie sich zu essen.

    Während ich schweigend meine Kartoffeln zerschnitt, fing mein Bruder an, von seinem Schultag zu erzählen. Wie viele Abschiedsgrüße er erhalten hatte und wie sehr er doch alle vermissen würde. Er war wirklich genau das Gegenteil zu mir. Finn war 14 und ging in die achte Klasse des örtlichen Gymnasiums und liebte seine Schule. Er war Klassensprecher und gehörte zu den besten seines Jahrgangs. “Ach, vor Allem werde ich Jenny vermissen”, hörte ich ihn sagen. Jenny ging in Finns Klasse und war seine Freundin. Für beide brach jetzt wohl die Welt zusammen, weil wir wegzogen. Ich schaltete wieder ab und aß still mein Essen. Dabei spürte ich, wie die frische Windel schon wieder die ersten Tropfen auffangen musste. “Kann ich nicht in den Osterferien noch bei ihr bleiben und nachkommen? Ihre Eltern haben es sogar angeboten!”, hörte ich Finn mit meiner Mutter diskutieren, als ich meiner Umgebung wieder Beachtung schenkte. “Das haben wir doch schon so oft diskutiert, das geht nicht! Ihr müsst euch dort einleben, damit ihr Anschluss findet! Außerdem bin ich nach den Osterferien wieder für eine Weile weg, die neuen Dreharbeiten gehen los. Ich würde die wenige Zeit, die ich zuhause bin, auch gerne mit euch verbringen!”, antwortete meine Mutter.

    Die Dreharbeiten. Darum zogen wir weg. Meine Mutter hatte ein Angebot für die Hauptrolle eines großen mehrteiligen Kinofilms bekommen und die Dreharbeiten würden einen Großteil ihrer Zeit für die nächsten Jahre in Anspruch nehmen. Deswegen wollte sie, dass wir in der Nähe des Filmstudios ziehen.

    Mit dieser Aussage war die Diskussion vorbei und da alle aufgegessen hatten, räumten wir den Tisch ab während Yvonne begann, die Küche wieder auf Vordermann zu bringen, rief unsere Mutter meinen Bruder und mich noch einmal zu sich. “Wir müssen nachher auch noch einkaufen gehen.”, sagte sie. “Nächsten Freitag wird offiziell die Besetzung für den Film bekannt gegeben und ich bin zur Eröffnungsshow und zur großen Gala eingeladen. Und ihr zwei, ihr kommt mit!” Ich schaute sie erstaunt an. Bis jetzt waren wir noch nie bei ihren Terminen dabei gewesen. “Das ist nichts für Kinder”, hatte sie immer gesagt. “Aber...”, fing ich an. “Kein Aber!”, meinte Mutter nur fröhlich. Wir wurden ausdrücklich mit Familie eingeladen, also kommt ihr mit! Und dafür brauchen wir noch etwas Ordentliches zum Anziehen. Für euch beide! Also fahren wir in einer halben Stunde los und suchen ein paar Schicke Sachen für euch raus! Föhn dir bitte bis dahin deine Haare.”, meinte sich dann noch an mich gewandt und verschwand in Richtung ihres Ankleidezimmers, wohl um sich selbst zurecht zu machen.

    Ich ging also schulterzuckend wieder nach oben und trocknete meine Haare. Ich überlegte mir kurz, ob ich eine der dünneren Pull-Ups anziehen sollte, entschied mich aber recht zügig dagegen. Länger als zwei Stunden hielten die nie und wenn wir gemeinsam einkaufen gehen wollten, würde dies ganz sicher länger dauern. Und wechseln musste ich auch noch nicht. Beim Mittagessen waren zwar etwas in die Windel gegangen, aber am Limit war sie noch lange nicht angekommen. Also tauschte ich meine Jogginghose gegen eine etwas weitere Jeans und schnappte mir meine leichte rote Jacke, falls mir kalt werden sollte. Dann ging ich nochmal in die Küche, die schon wieder blitzblank glänzte und trank noch ein Glas Wasser. Da kam auch schon meine Mutter und rief uns zum Gehen. Ich zog mir also schnell meine Sandalen an und ging hinaus zum Auto, wo mein Bruder schon wartete. Er hatte sich eine Kapuze über den Kopf gezogen und hörte durch seine Kopfhörer laut Musik. Er schien nicht gerade begeistert zu sein, die wenige Zeit, die er hier noch hatte, mit Einkaufen verbringen zu müssen, anstatt bei seiner Freundin sein zu können. Nichts desto trotz machten wir uns zu dritt auf den Weg in Richtung Stadt und ich spürte, wie nach kurzer Fahrt schon wieder etwas in meine Windel lief. Hatte ich eigentlich eine zum Wechseln mitgenommen? Ach und selbst wenn nicht, ich hatte ja vor dem Essen gewechselt...
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  2. #2
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    AW: Das unerwartete Leben von Kai

    Ich bin gespannt, wie es weitergeht!

    Endlich mal eine Geschichte, die nicht so offensichtlich in Richtung Baby oder Demütigung oder so geht und die nicht so "platt" erzählt ist. Mal sehen, was kommt ...

  3. #3
    Matschkind Avatar von teddibär

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    AW: Das unerwartete Leben von Kai

    Noch ein gespannter hier ;-)
    Was mir auffiel: Das Haus ist verkauft, nur das Nötigste ist noch vorhanden, und dann gibt es Osterdekoration und einen Vortrag über Ordnung halten?
    Ist Kai ein Junge oder Mädchen? Ich frage wegen des Zopfes.
    Schön geschrieben, gut lesbar, freue mich auf weitere Folgen!

  4. #4
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    AW: Das unerwartete Leben von Kai

    Danke für euer Feedback.

    Zitat Zitat von teddibär Beitrag anzeigen
    Was mir auffiel: Das Haus ist verkauft, nur das Nötigste ist noch vorhanden, und dann gibt es Osterdekoration und einen Vortrag über Ordnung halten?
    Kais Mutter steht halt auf Osterdeko ;-)
    Und nur weil man wegzieht, heißt es ja nicht, dass die Unordnung auf einmal Einzug halten kann!

    Zitat Zitat von teddibär Beitrag anzeigen
    Ist Kai ein Junge oder Mädchen? Ich frage wegen des Zopfes.
    Kai ist ein Junge, wer ganz genau aufpasst, kann das herauslesen.
    In Teil 2 wird das jedoch nochmal ersichtlicher.

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