Ergebnis 1 bis 13 von 13

Thema: [Theorie] Auswirkungen der Inkontinenz auf den Kranken

  1. #1
    Member

    Registriert seit
    June 2012
    Ort
    Münster
    Beiträge
    99
    Mentioned
    0 Post(s)
    Tagged
    0 Thread(s)

    [Theorie] Auswirkungen der Inkontinenz auf den Kranken

    Während einer Fortbildung im Bereich der Inkontinenz wurden Infomaterialien verteilt, und während ich diese so las, dachte ich an diese Community. Keine Ahnung wieso, aber ich hatte das Bedürfnis diese Informationen mit euch zu teilen.

    Der Text richtet sich an Kontinente Menschen, besonders an diejenigen in sozialen Berufen.
    Bezogen ist dieses Modell auf die Altenpflege, also nicht wundern, einige Textpassagen habe ich leicht modifiziert der verständlichkeitshalber, bitte nicht mit Tomaten werfen deswegen

    Hin und wieder sind in dem Text wiederholungen enthalten, nicht wundern^^




    Auswirkungen der Inkontinenz auf den Kranken

    1. Körperlich

    - unruhig, schläft schlecht, fällt leicht
    - Ekzem - > Dekubitus - > Pflegebedürftig
    - Dauerkatheter: Infekt, Steine, Fistel, Striktur (verengung durch Narben), Divertikel, Schrumpfblase

    2. Psychisch

    - im Selbstwertgefühl gekränkt "unerträglich"
    - Körperintegrität/Selbstkonzept verletzt
    - Krise durch Kontroll-/ Autonomie-Verlust
    - Gefühle verstärkt in Regression (Rückschritt) bis Chaos
    - Schuldgefühl wegen Normverletzungen, Versagen, Scham "zu riechen", sich zu zeigen
    - Furcht vor Abwertung ("Senil", Angst (im Alter) vor Heimeinweisung
    - Angst, Kontrolle zu verlieren, zur Last zu fallen, ausgeschlossen/verspottet zu werden, vor Mitleid, Ablehnung, Ekel anderer
    - Trauer nach Kontroll/Selbstwertverlust
    - Ärger, Wut, Zorn, Auflehnung gegen sich (und gegen Angehörige, Pflegende)
    - provoziert Resignation -> hilflos, hoffnungslos -> Depression -> Rückzug

    3. Existentiell

    - Zukunft ungewiss, sinnlos

    4. Sozial

    - eingeschränkt im Lebensraum
    - vereinsamt durch Rückzug/Ablehnung
    - sucht unbewusst Aufmerksamkeit, Zuwendung (herablassender Widerwillen besser als ignoriert zu werden)
    - gibt Funktionen auf -> wird abhängig
    - verliert Beziehungen/Rollen -> Außenseiter

    5. Ökonomisch

    - Inkontinenzmaterial teuer, Erspartes

    6. Juristisch

    - als "Pflegefall" verlegt


    Zu bewältigende Belastungen bei Inkontinenz (leicht Modifiziert von mir)

    1. Körperliches Selbstkonzept verletzt

    - Verlust von Kontrolle, Wertschätzung -> Selbstachtung -> beschämt, verlegen

    2. Emotionales Gleichgewicht gestört

    3. Verunsichert in sozialer Rolle

    4. Anpassung an neue Regeln

    - Entblößung -> Entgrenzung


    Wie verarbeitet der Erkrankte (im Originaltext "der Kranke" die Inkontinenz?

    1. Schock

    - oft erstarrt, verwirrt

    2. Wertkrise

    - im Selbstwert gekränkt, entwürdigt
    - Abwehrtungssackgasse "es hilft nichts" -> hilflos

    3. Realitätskrise

    - verdrängt, verleugnet Geruch, ignoriert und/oder verschweigt bzw. verharmlost Flecken
    - versucht, Malheur ungeschehen zu machen
    - regrediert, engt sich auf Inkontinenz ein, wird hypochondrisch, emotional abhängig
    - sucht nach dem Schuldigen, projiziert auf Verwandte/Bekannte, wird aggressiv bis Trotz
    - beschuldigt sich selbst
    - Selbstvorwürfe bis zum Suizid
    - Resigniert hilflos, gibt sich auf "alles sinnlos"

    4. Krankheitsgewinn

    Wozu Inkontinenz?
    - primärer: Flucht vor unerträglicher Belastung
    - sekundärer: Zuwendung, Macht, Rache
    (bezogen auf das Verhalten von Bewohnern im Altenheim im Bezug auf das Pflegepersonal)

    5. Bejahungsprozess

    - Unsicher, Schock, Leugnung, Auflehnung, Wut, Schuldzuweisung, Verhandeln, Gram, Depression, erkennt und akzeptiert Realität

    6. Neuorientierung:

    - Zielfindung
    - Sinnfindung







    Das ist jetzt alles nur Theorie und soll Kontinenten Menschen eine Hilfestellung zur Empathie (Einfühlungsvermögen) geben.

    Würde mich freuen, wenn ich erfahren darf ob euch sowas hier interessiert (oder auch nicht), denn wenn nicht halt ich in Zukunft meine Klappe .
    Und löschen kann man das hier dann immernoch, also bitte nicht böse sein auf mich...

  2. #2
    racer
    Gast
    Hallo Fl!p,

    ich finde das sehr interessant. Würde mich freuen wenn erst Kontinente User hier schreiben, welche Meinung sie haben wie sich ein Inkontinenter fühlt und dann die Inkontinenten User schreiben wie es ihnen geht.

    Sowas fände ich äußerst interessant.

    Gruß
    racer

    P.S. @ Fl!p, oder hast du dir bei diesem Thred was anderes gedacht?

  3. #3
    Member

    Registriert seit
    January 2007
    Beiträge
    60
    Mentioned
    0 Post(s)
    Tagged
    0 Thread(s)
    HI Fl!p und alle anderen hier,

    ich denke, hier handelt es sich um eine Aufzählung möglicher Auswirkungen, die auch in der Altenpflege bei weitem nicht als allgemeingültig gesehen werden dürfen.

    Schon als ich mit dem Lesen begann, stellte sich mir die Frage, mit welcher Kompetenz und aufgrund welcher Informationen die einzelnen Punkte wohl zusammengestellt wurden?

    Ist bei Betroffenen der älteren Generation eine Inkontinenz nicht oft die Folge altersbedingter (mentaler und / oder körperlicher) „gesundheitlicher Instabilität“?

    In jedem Einzelfall dürften viele der genannten Auswirkungen (gezeigte Empfindungen und Reaktionen der Betroffenen) wohl nicht ohne den individuellen und situationsbedingten Umstand betrachtet werden.

    Für Pflegende älterer Menschen (an diese ist das „Infomaterial“ wohl gerichtet) dürfte eine solche Aufzählung m. E. kaum anleitend und Verständnis weckend sein.

    Im Übrigen erscheint es mir unverantwortlich, falls ich es richtig verstanden habe, einen Dauerkatheter als probates Mittel der Pflege anzuführen. Diese leider immer wieder vorgenommene Maßnahme mag die Pflege erleichtern, hat aber für den Betroffenen sehr oft krankheitsfördernde Folgen, die schlimmstenfalls auch lebensverkürzend sein können.

    Gruß.
    Lotiolentus

  4. #4
    Mit Perwoll gewaschen Avatar von Wölfchen96

    Registriert seit
    October 2012
    Ort
    Hamburg
    Beiträge
    1.113
    Mentioned
    6 Post(s)
    Tagged
    0 Thread(s)
    Ich hoffe ich habe das nicht falsch verstanden :X
    Also ich denke mal das ein Inkontinenter es schwer hat, wenn es um Sportliche Aktivitäten geht wie z.B. Schwimmen, Fahrradfahren etc.
    Im alltäglichen leben stelle ich mir das jetzt nicht so schlimm vor wie oben aus der Broschüre geschrieben!!!
    Es gibt ja heut zu Tage moderne Dünne Windeln die auch viel aufnehmen können. Andererseits ist man auch gezwungen sich öfters zu waschen und bei längeren Ausflügen hat man da sicherlich auch so seine Schwierigkeiten.
    Ich weiß noch wo ich mal eine Blasenentzündung hatte. Da kommt natürlich die Psyche und macht Terror

    Ich möchte auch nicht über eine Krankheit urteilen die ich selber garnicht habe. Nur ein Mensch der Inkontinent ist kann sagen wie es ist. Denn ich mag ja das Windel tragen.

    MfG Ben
    Wir malen uns die Welt in kuntergrau, dunkelbunt.
    Casper - XOXO

  5. #5
    Senior Member

    Registriert seit
    October 2004
    Ort
    Köln
    Beiträge
    562
    Mentioned
    0 Post(s)
    Tagged
    0 Thread(s)
    Hallo,

    Was Inkontinenz angeht so gibt es je nach Beruf
    mindestens 20 Meinungen pro Beruf im Gesundheitswesen:
    Altenpflege:nur Vorlagen, keine anderen Hilfsmittel, nur Erwachsenensprache
    Krankenpflege: alle Hilfsmittel und Versorgung, nur Medizinsprache
    Kinderpflege: alle Hilfsmittel für dieses Alter, nur Kindersprache
    Dann sehen das Ergotherapeuten, Haus / Fach-Ärzte, Berater, Hersteller
    immer unterschiedlich je nach Erfahrung, Wissen und Alter.
    Aber jeder hält sich für ein Experte!

    Ich habe bei meiner Enuresis mindestens 5 verschiedene Ursachen
    gehört. Je nachdem bei welchen Arzt, und wo ich war.
    Jeder sagte etwas anderes: Hausarzt, Urologe, Neurologe, Psychiater, Klinik,

    Allgemeine Flayer zur Information enthalten auch nur
    allgemeine Informationen für alle mögliche Einzelfälle.
    Damit überhaupt eine grundlegende Information erfolgt.
    Auch kommt es auf den Wissenstand des Berufes an.
    Altenpfleger werden bestimmt nichts über Molekühle von
    Neurotransmitter lernen. Ärzte werden bestimmt nichts
    über das Sicherheitsgefühl bei Hilfsmittel lernen.

    Ich habe als Krankenpfleger nur aus Arztbücher gelernt
    und wurde auch nur von Ärzte unterrichtet.
    In anderen Schulen gab es extra Bücher für Pflegeberufe
    und der Unterricht war auch von anderen Berufsgruppen.
    Der Unterschied war sehr deutlich.
    Ansonsten ist es üblich mit Listen zu lernen.
    Es wird halt zu jeden Punkt alles aufgezählt.
    Auch wenn jemand mit Blinddarmentzündung in der Theorie
    an 10 verschiedene Beschwerden leiden kann,
    so ist das doch in der Praxis sehr unwahrscheinlich
    bei einer Person. Aber man muss halt alle 10 wissen.

    herzliche Grüße
    Dante

  6. #6
    Senior Member

    Registriert seit
    October 2004
    Ort
    Köln
    Beiträge
    562
    Mentioned
    0 Post(s)
    Tagged
    0 Thread(s)
    PS: Ich habe den Behindertenbereich und Berufe vergessen zu nennen.
    Entschuldigung ! Natürlich haben Heilerziehungspfleger und Betreuer.....
    auch nochmal eine andere Sicht der Dinge.
    Nach meiner Erfahrung aber nicht die schlechteste !

    Auch habe ich alle Berufe nur für Männer genannt.
    Natürlich gilt das auch für Frauen in diesen Berufen.
    Aber ich bin zu faul um wie die Politiker immer alle
    ganz genau anzureden.

    herzliche Grüße
    Dante

  7. #7
    Member

    Registriert seit
    June 2012
    Ort
    Münster
    Beiträge
    99
    Mentioned
    0 Post(s)
    Tagged
    0 Thread(s)
    @ Dante,
    "Altenpfleger werden bestimmt nichts über Molekühle von
    Neurotransmitter lernen."

    Ist leider auch ein Teil in einem unserer Lernfelder die wir in der Ausbildung zu bearbeiten haben. Das wird im Prinzip nur grob angeschnitten, aber besprochen wird das ganze.

  8. #8
    Trusted Member

    Registriert seit
    July 2007
    Ort
    Osnabrück
    Beiträge
    823
    Mentioned
    1 Post(s)
    Tagged
    0 Thread(s)
    Hi @ all

    Mit Inkontinenz leben ist ja nicht immer einfach wie mir dante sicher zustimmen kann, aber letztlich wird es irgendwann zum normal zustand für einen selber.

    Natürlich ist es für ältere Menschen nochmal ein anderes Thema als für jemanden mit 20-25 Jahren.
    Wenn ich mich an frühere Zeiten erinnere weis auch ich das ich starke probleme hatte damit klarzukommen, dennoch war ich es irgendwann satt mich selber deswegen fertig zu machen weil man keine möglichkeit hat etwas daran zu ändern.

    Meiner Meinung nach braucht es ja nur ein bisschen Zeit um damit für sich selber umgehen zu können.

    @ Dante

    Tja, das mit den Ansichten in verschiedenen Berufsgruppen kenne ich, genauso den Punkt das es sowieso meist jeder selbst am besten weiss.

    Ach ja zum Gefühl dabei, ich kann da nur das schreiben wie viele hier auch.
    Geborgenheit, Sicherheit das nicht nass wird und manchmal auch das man dessen überdrüssig wird, aber immer wieder schnell zur erkenntniss kommt das ich glücklich bin nichts schlimmeres zu haben.

    Oder wie ich immer sage, auch ein leben in Windeln ist schön.

  9. #9
    huehnerwiese
    Gast

    mal aus eigener Erfahrung

    Hallo Flip und alle Interessierten.

    Ich habe die Hilfestellung zur Empathie gelesen und bin entsetzt.

    Einen Inkontinenten Menschen per Theorie abzuhandeln ist einfach eine
    unwürdige Behandlung der Wirklichkeit.

    Nichts gegen Fl!p, ich werfe nicht mit Tomaten oder vollen Windeln nach dir.

    Nur hat mich diese Abhandlung so dermaßen geschockt das ich an der Antwort noch arbeite, die wird etwas länger ausfallen.

    Einen Tipp an denjenigen der versucht im Pflegebereich den Stoff so zu vermitteln:

    Lass dir einen Dauerkatheter schieben und trinke dann zwei Liter von dem leckeren Saft den man vor einer Darmspiegelung trinken muss.
    Besorge dir die Standardversorgung der Krankenkassen und werfe den Toiletten-schlüssel weg.

    Viel Spaß bei Realitätsverlust und und dem Versuch den richtigen
    Wechselpunkt in einem bestimmten Zeitfenster zu finden.

  10. #10
    Member

    Registriert seit
    June 2012
    Ort
    Münster
    Beiträge
    99
    Mentioned
    0 Post(s)
    Tagged
    0 Thread(s)
    @ huehnerwiese

    nene, das ist wie gesagt (geschrieben) nicht meine Idee, das ist einfach nur Theorie, und wie manche bestimmt mitbekommen haben gibt es zwei Welten, einmal die blumige Welt der Theorie und die harte Welt der Realität.

    Finde einige Konzepte in der Ausbildung nicht richtig und kann verstehen dass sowas dich schockiert. Und, unter uns, da werden nicht nur Inkontinente Menschen per Theorie "abgehandelt".

  11. #11
    Trusted Member

    Registriert seit
    July 2007
    Ort
    Osnabrück
    Beiträge
    823
    Mentioned
    1 Post(s)
    Tagged
    0 Thread(s)
    @ FL!P

    Was für ne Ausbildung machst du denn? Ich habe leider bis Dato nur den Pflegeassistenten, werde aber weiter machen zu gegebener Zeit.

    Tja und dieser Teorie Flyer, Tja ist halt Theorie ausm Gesundheitsbereich. Ich habe da eh schon so manches mal mit auf kriegsfuss gestanden. Aber was soll man machen, man muss den lehrern und Arbeitgebern das geben was sie wollen.

  12. #12
    Senior Member

    Registriert seit
    July 2006
    Ort
    Karlsruhe
    Beiträge
    663
    Mentioned
    10 Post(s)
    Tagged
    0 Thread(s)
    Wenn ich das so lese ist es glaub ich ganz ratsam eine Therapie fuer DLs und Inkontinente zu entwickeln, mit der diese Auswirkungen verhindert werden koennen.

  13. #13
    Member

    Registriert seit
    June 2012
    Ort
    Münster
    Beiträge
    99
    Mentioned
    0 Post(s)
    Tagged
    0 Thread(s)
    @Kai, bin kurz vor dem Examen (Altenpfleger). Also jede menge solcher Theorien in den Kopf hauen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
This website uses cookies
We use cookies to store session information to facilitate remembering your login information, to allow you to save website preferences, to personalise content and ads, to provide social media features and to analyse our traffic. We also share information about your use of our site with our social media, advertising and analytics partners.