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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kathetern ohne Infektionsgefahr?



Ninox
17.01.2017, 19:48
Ich würde mir gerne mal einen Katheter anlegen, aber ich traue mich nicht. Ich denke nichts ist peinlicher als mit Schmerzen im Penis zum Hausarzt oder Urologen zu müssen und am Ende stellt der womöglich noch ungewöhnliche Erweiterungen oder gar Verletzungen fest. Ausschließen kann man ja nie was, aber gibt es Möglichkeiten sich einen Katheter für längere Zeit (über Nacht, also maximal 6-10 Stunden) zu legen und dabei die Infektionsgefahr so gering wie möglich zu halten?

Macht es einen Unterschied, ob der Katheter in der Windel endet oder in einen Beutel führt und spielt es eine Rolle, ob man sich beispielsweise nur einmal die Woche oder einmal im Monat sowas anlegt? (Mal von der ohnehin gegebenen Infektionsgefahr die bei jedem anlegen gegeben ist abgesehen, also ob die Häufigkeit bei (zu) kurzen abständen einen angreifbarer macht)

Georg2
17.01.2017, 21:13
Ninox,

die Infektionsgefahr ist am geringsten, wenn Du es ganz sein läßt.

Da meint gerade in einem anderen Forum, es gäbe einen speziell beschichtete K., der das Risiko ausschließen/minimieren würde. Er meint vermutlich die Ausführung, die die Verkrustung minimieren soll und damit die Liegezeit verlängert. Laß Dir gesagt sein, daß derjenige, der glaubt damit eine Infektion zu verhindern, auf dem Wood-Way* ist, um mal in der Sprache des anderen Forums zu antworten.

Wie oft man so etwas anlegt..... Das ist wie beim Würfelspiel: je öfter Du würfelst, umso eher hast Du einen Pasch gewürfelt (sprich eine Infektion). Und man kann schon beim ersten Mal zwei Sechser haben.

Und der Katheter gehört an einen Beutel angeschlossen. Nur so funtioniert er richtig.

LG Georg

* Holzweg

Krümel
18.01.2017, 16:07
Wenn man die Blase und den Harngang mit reichlich Trinken vorher gut durchspült und dann den sterilen Katheter nicht mit den bloßen Händen betatscht und sauber arbeitet, sollte sich die Infektionsgefahr schon in Grenzen halten. Viele Rollstuhlfahrer machen das ja auch öfter, ohne Probleme zu bekommen.
Danach sollte man halt auch viel Trinken, um das Hochsteigen von Keimen zu unterdrücken und es mit der Liegezeit nicht übertreiben.

Reizen würde es mich schon auch mal, das auszuprobieren. Z.B. einmal über Nacht. Aber was mich mehr abschreckt als die Infektionsgefahr ist die Verletzungsgefahr, vor allem bei uns Männern kann man ja auf dem längeren Weg zur Blase öfter mal die Wand oder sonst was rammen. Uaaargh. Davor hab ich Schiss und werd's deshalb wahrscheinlich nie selbst machen.

Werner227
18.01.2017, 18:04
Generell nein, jeder Schlauch der von aussen in den Körper gesteckt wird ist eine potentielle Infektionsquelle. Durch den Katheter können immer Keine, Bakterien in die Blase gelangen.

FuldaTiger
18.01.2017, 18:49
Viele Rollstuhlfahrer machen das ja auch öfter, ohne Probleme zu bekommen.

Ich muss das ja auch mehrmals täglich machen
Hatte ganz zu Anfang auch heftige und häufige Probleme mit Entzündungen, bis ich das im Krankenhaus 7 Wochen lang intensiv gelernt habe
Seitdem habe ich vielleicht alle 3 Jahre mal Probleme
Benutze aber auch moderne Kathetersysteme die man gegebenenfalls mit einer Hand einführen kann
.

lordsiegelbewahrer
18.01.2017, 20:40
Wenn du sauber arbeitest und dir für das Desinfizieren genug Zeit läßt, dürfte das kein Problem sein.
Zumal du selbst am besten merkst, wenn du an der Prostata angekommen bist.
Aber das offenlassen des Ablaufs ist ein Einfallstor für alle Keime. (siehe auch Georg2)

Ninox
18.01.2017, 21:16
OK, ich merke schon. Das ist eine heikle Angelegenheit. Nicht nur von der Infektionsgefahr, sondern auch Verletzungsgefahr. Ich werde es definitiv lassen. Das Risiko ist es nicht wert. Man darf nie vergessen: Es soll ein Spiel sein und bleiben. Im normalen Alltag bin ich froh mich mit solchen Problemen nicht herumschlagen zu müssen und dabei soll es bleiben.

Gibt es noch andere Möglichkeiten? Wer ganz hardcoremäßig drauf ist wird einfach ein Abführmittel nehmen, aber ich bin nicht bereit die Kontrolle über meinen Darm abzugeben. Das ist mir zu heftig und zu eklig. Gibts da auch mildere Formen, die nur für den Urinabfluss sorgen und natürlich ohne die Gefahr von (bleibenden) Schäden, wenn man es nur ab und zu mal macht (1x Monat vielleicht)

Falls das Thema in Richtung Medikamentenmissbrauch geht oder gehen würde oder so aufgefasst wird, dann bitte den Beitrag und die dazugehörigen Antworten löschen. Da aber gewöhnliche Abführmittel ohne Rezept zu bekommen wären und "zum Heilfasten" normale Praxis ist denke ich mal nicht, dass es so ist.

FuldaTiger
18.01.2017, 21:39
Aber das offenlassen des Ablaufs ist ein Einfallstor für alle Keime

Genau da irrst du
Das Hauptproblem ist das unsterile Einführen, wenn dann Keime beim Einführen des Katheters bis in die Blase geschoben werden
Natürlich besteht auch ein Risiko, wenn der Ablaufschlauch an einen Beutel ohne Rückflussventil angeschlossen wird und "altes" Pipi
in die Blase zurückfliessen kann
.

lordsiegelbewahrer
18.01.2017, 22:26
Genau da irrst du
Das Hauptproblem ist das unsterile Einführen, wenn dann Keime beim Einführen des Katheters bis in die Blase geschoben werden
Natürlich besteht auch ein Risiko, wenn der Ablaufschlauch an einen Beutel ohne Rückflussventil angeschlossen wird und "altes" Pipi
in die Blase zurückfliessen kann
.

Ich bin mal davon ausgegangen, dass er sowohl sterile Katheter und Handschuhe benutzt, als auch den Johannes gründlich desinfiziert.
Das mit dem Offenlassen habe ich aus dem Krankenhaus.

FuldaTiger
18.01.2017, 22:43
Woher soll er denn wissen worauf alles zu achten ist, wenn er das zum ersten Mal alleine macht?

Es gibt aber gute Videos dazu:
https://www.youtube.com/watch?v=0kyw8Ao66jM (Für Fussgänger)
https://www.youtube.com/watch?v=TjRFFLjqBbM (Für Rollstuhlfahrer)

Wenn jemand auf der Ageplayfreizeit im Februar Fragen dazu hat, bitte mich einfach ansprechen
.

Ninox
20.01.2017, 19:11
OK, nach dem Video (bei dem mir fast schlecht geworden ist) steht noch einmal mehr fest, dass ich diese Manipulation an meinem Körper nicht vornehmen werde. Wenn es keine andere Möglichkeit gibt, soll es halt nicht sein.

diaperboyphilipp
22.01.2017, 15:49
Die Infektionsgefahr ist definitiv das kleinste Übel!
Die Gefahr, mit dem Katheter in der Harnröhre auch nur kleinste Verletzung zu lassen, ist das größere. Durch die Verletzungen kann und wird es zu einer Narbenbildung in der Harnröhre kommen, die schlimmstenfalls zu einer Striktur führen. Die Struktur führt dazu, dass sich deine Harnröhre verengt, was tatsächlich bis zum Harnverhalt führen kann - etwas, das sich niemand wünscht, zu haben.
Von den Beschwerden abgesehen, ist eine Striktur etwas, das recht schlecht auf Dauer behoben werden kann. Der einfachste Weg ist dann, dass eine sog. Schlitzung durchgeführt wird, dabei wird mit einem heißen Messer die Harnröhre wieder frei geschnitten, die Wahrscheinlichkeit, dass die Verengung dann wieder kommt, bzw. an einer anderen Stelle auftaucht, liegt bei über 80%.
Wenn die Verengung dann zurückkommt, bleibt nur die Möglichkeit, eine Harnröhrenplastik aus der Mundschleimhautzu erstellen, da darfst du dich auf einen Krankenhausaufenthalt von >4 Wochen freuen, inklusive Dauerkatheter. Trotzdem besteht dann immer noch ein großes Risiko, dass die Verengung wiederkommt
Lange rede, kurzer Sinn: So schön, dass es sich das Risiko lohnt, kann es gar nicht sein, einen Katheter ohne medizinischen Grund zu tragen.

FuldaTiger
22.01.2017, 17:07
diaperboyphilipp,
sorry, die Informationen, die du hier zusammenträgst, klingen sehr nach einem angelesenen BDSM-Gruselroman aus einer transsylvanischen Klinik :p
Das hat mit der Realität wenig zu tun!
Ich muss hier seit über 15 Jahren 2-5 Mal täglich selbst katheterisieren, da meine Blase nicht mehr leer wird und ich einen Rückstau in die Nieren vermeiden muss
Das wären bei 3 Stück täglich über 15 Jahre mittlerweile 16.425 Pfeifenreiniger (Katheter)
Benutze dafür moderne und gelbeschichtete Kathetersysteme wie in den Videos weiter oben beschrieben
Nach deiner Schilderung müsste meine Nudel also mittlerweile wie eine abgegriffene Lederhandtasche aussehen :p
Klar, gewöhnt sich die Harnröhre ans katheterisieren, aber mehr passiert meistens nicht
Wenn man vorsichtig und immer steril damit umgeht, kann man auch Spaß daran haben
.

diaperboyphilipp
22.01.2017, 19:57
FuldaTiger,
leider Gottes ist das keine Geschichte aus einem Gruselroman, sondern (erlebte) Realität.
Mir wurde in meinem Leben genau einmal ein Katheter gelegt - in einem Krankenhaus - mit eben oben beschrieben Ergebnis bzw. Folge.
Man erlaube mir also den Rückschluss, dass dies, wenn sogar passieren kann, wenn medizinisch geschultes Personal einen Katheter legt, es erst recht passieren kann, wenn ein Laie in selber legt.
Es geht ja hier auch nicht darum, dass es zwangsläufig passiert, aber zumindest kann es passieren. Ich wünsche dir Tortour, die ich mitgemacht habe, nicht meinem ärgsten Feind, kann also bestimmt sagen, dass ich niemandem empfehle, das Risiko einzugehen.

Werner227
23.01.2017, 07:08
Es ist und bleibt ein Unterschied, ob sich jemand mit dem hoffentlich gut erlernten sterilen Einmalkatherismus selber kathteriesiert, oder ob sich mal jemand laienhaft einen Katheter schiebt. Die üblci verwendeten Katheter sind dafür auch extra mit einer speziellen Gleitschicht versehen.

Strikturen in einer Harnröhre können auch schon vor dem Katheter legen dort vorhanden gewesen sein, die müßen nicht zwangsläufig durch medizinsiches Personal verursacht werden. Oder wer weiß von Euch wie seine Harnröhre von innen aussieht? Immmer dieses böse Personal in den Krankenhäusern.:-( :-( Ein Harnverhalt bei einer Striktur kommt selten von jetzt auf gleich, sondern kündigt sich in der Regel durch eien schwächer werdenden Harnstrahl an.

Die größten Infektionsgefahren sind unsteriles Einführen, offenes liegen lassen des Kathters in der Windel, mangelnde Katheterpflege, und wenn wenn Katheter längere Zeit also über Wochen liegen.

diaperboyphilipp
23.01.2017, 16:37
Werner227, keinesfalls wollte ich in irgendeiner Form auf das Personal der Krankenhäuser schimpfen. Vielmehr war ich versucht, meine Erfahrungen sachlich zu schildern um dem Themenstarter Hinweise für seine gedankliche Abwägung an die Hand zu geben.
Was ich allerdings sicher wiedergeben kann ist die Aussage des mich behandelnden Arztes, der sagte, dass Lage und Art der Striktur auf eine Verursachung durch Katheter schließen ließen.
Ganz recht hast du damit, dass so etwas nicht von heute auf morgen kommt, bei mir dauerte es 10 Jahre mit zunehmenden Beschwerden.

FuldaTiger
23.01.2017, 17:26
Ich muss halt täglich mehrmals katheterisieren
Das klappt also bei mir mit hunderten von Kathetern im Jahr problemlos
Die letzte Blasenentzündung hatte ich vor 3 Jahren
Ok, ich habe zu Anfang auch Lehrgeld bezahlen müssen, bis ich im Krankenhaus intensiv darauf trainiert wurde
Jetzt kann ichs sogar im Schlaf und im Dunkeln ;)
Finde es halt nur schade, dass Katheter hier teilweise richtig verteufelt werden
Wenn jemand Fragen dazu hat, bitte PN an mich