PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Begriffserklärungsnot, Identitätsdefizit???



janbaby
04.11.2009, 20:57
Kuckuck,
AAAlso, mal sehen ob ich das aus meinem Kopf krieg: Wenn es für AB/DL´s eine "gesellschaftsfähige" Überbezeichnung gäbe, nicht nur diesen Insidercode, könnten wir uns dann in die üblichen Sparten der europäischen Sexualorientierung eingliedern? Frage: Sind wir queer? Für mich bedeutet das Wort "Querbeet", oder "bunt gemixt, ganz nach Wunsch". Ist "queer" nicht ein Überbegrff, der uns alle mehr oder weniger unter einen Hut bringen könn-te? Da reihen sich zwar noch einige andere Neigungen ein, aber spielt es eine Rolle? Würde eine Rubrik "Queer"( ich schreibe das jetzt hoffentlich richtig) nicht auch Suchmaschinen auf WBC aufmerksam machen? Wo es doch garantiert genug "queer" Leutchen gibt, die an sich nichts dagegen haben sollten eine etwas aussergewöhnliche, neue Lebensart kennen lernen zu dürfen. Die Welt schreit doch förmlich nach den "letzten Kicks", den letzten Sündenbabeln. Es könnte schick werden AB oder DL zu sein (wenn die Bezeichnung hip klingt), sonst ist doch fast alles schon Mainstream geworden. Was vor wenigen Jahren noch undenkbar war, ist nun selbstverständlich. Selbstverständlichkeiten entstehen durch die Selbstverständlichkeit derer, die sie leben. Schwule und Lesben haben es vorgemacht., Respekt! Es könnte allerdings auch sein, daß ich mich total irre und dies alles Irrsinn ist.
Ist nur sone Idee, hab das mal hier reingepackt, wusste nich recht wo sonst
Gruß,
Janbaby :danke:

Bongo
05.11.2009, 11:56
hm... also das wort "queer" ist heutzutage englische umgangssprache für "homosexuell". also ausschließlich - es beinhaltet keine anderen sexuellen oder sonstigen interessen.

ursprünglich (also früher nach wörterbuch, und heute als wortbedeutung auch noch so in gebrauch, aber eben eher an zweiter stelle nach "homosexuell") bedeutet "queer" auf deutsch "komisch, merkwürdig, seltsam, nicht normal"

will dich ja nicht enttäuschen, aber in der ersteren bedeutung verfehlt es das thema, und in der zweiten bedeutung ist es eher unschmeichelhaft, weil negativ belegt.
vielleicht wäre das nicht so PR-wirksam wie du es dir wünschst.

falls du das deutsche wort "quer" meintest (mit einem "e", adjektiv für diagonal, schräg, usw.), dann vergiss was ich geschrieben hab :)
allerdings kapier ich dann den bezug noch weniger. das bedürfte glaub mehr erläuterung wie du das meinst.

Lebensinsel
05.11.2009, 14:02
"Queer" nennt sich z.B. eine Kölner Schwulenzeitung. Aber ich hätte bis heute dieses Kunstwort weder als Überbegriff für alternative Lebensweisen, und schon gar nicht mit Windeln in Zusammenhang gebracht.

Ich glaube nicht, dass wir DL´s und AB´s einen Oberbegriff als Identitätsmerkmal brauchen, um mehr ins Licht der Öffentlichkeit gerückt zu werden. Welchen Nutzen erwartest du davon? Dass in Talkshows eine Handvoll Psychologen mit Hornbrillen darüber fachsimpeln, ob das normal ist oder nicht, und dass plötzlich alle Menschen das Tragen von Windeln und Babyklamotten gutheißen?

Im Übrigen haben es die Homosexuellen nicht aus eigener Kraft "geschafft", trotz aller Aktivisten. Erst als das "Schreckgespenst Aids" auftauchte, gerieten die Schwulen schlagartig ins Rampenlicht. Klar erweckt alles, was irgendwo in den Bereich des Außergewöhnlichen fällt, auf das sensationslüsterne Interesse einiger Leute. Eine vollständige Anerkennung ist auch den Homosexuellen nicht gelungen, sondern wurde mehr oder weniger vom Gesetzgeber verordnet. Die Kritik ist nie verstummt, sie wurde nur leiser. Auch wenn mich einige jetzt prügeln werden - wenn es aber um die Anerkennung spezieller Veranlagungen oder Vorlieben geht, sollte man nicht allzu sehr mit seiner Andersartigkeit protzen. Das wirkt auf die meisten eher abstoßend.

janbaby
05.11.2009, 20:38
Kuckuck,
Gutes Statement von dir Lebensinsel, find ich. Der Begriff queer war an sich ja auch nur als Synonym für einen Überbegriff gedacht, der es vielleicht der etwas einfach gestrickten Gesellschaft ermöglichen könnte uns alle besser einzuordnen, ("ah, ja, das sind die"). Mir persönlich ist es doch recht wurscht, was andere von mir denken, jedoch hielt mich z.B. meine Ex für einen Pädophilen! Ihr Dinosauriergehirn hatte keine Schublade, in die sie mich sonst stecken konnte. Weil sie eben wie viele andere keinen Plan hatte. Betriebssicherheit gibts für AB/DL´s aber wahrscheinlich genausowenig wie für Schwule und Lesben. Der Mensch ist ja gut, aber die Leut sind schlecht :-)
Gruß,
Janbaby :danke:

cassandra
05.11.2009, 20:59
Huhu,

ich kann nachvollziehen, was es bringen soll. :ja: Im Grunde find ich es schon einen guten Gedanken, anderen Menschen etwas in die Hand geben zu wollen, mit dem sie etwas Positives mit unserer Art verbinden können. Aber ob es klappt?

Ich für meinen Teil halte mich einfach für "bunt". *smile* Das kommt eigentlich von einer damaligen guten Freundin. Sie meinte, ich wäre der bunte Typ. Sie bezog es allerdings mehr auf mein Tattoo und meine Piercings und dass ich immer gern bunten, ausgefallenen Schmuck und farbenfrohe (Pink, Lila, Blau, Knallrot) Klamotten trage.

Im Prinzip kann ich das aber auch auf meine Neigungen ausdehnen...

lg cassi

Grinsekatze
07.11.2009, 19:39
hust

henrik
08.11.2009, 13:23
Queer, Bunt (=deutsch für "gay") sind ja alles nette und vielleicht passende Worte, aber schon durch andere Gruppierungen die sich isoliert fühlten belegt, da müssen wir schon ein eigenes Wort finden, gibt ja nicht nur homosexuelle Windelträger ;-)

Zartbitter
09.11.2009, 10:37
Hallole,

ich denke schon, dass das Wort queer für uns passt.

Hinter dem Begriff "Queer", wie er in der Gendertheorie verwendet wird, steht ja der Gedanke, dass es eine art biologisches Geschlecht und ein soziales Geschlecht gibt. Dieses soziale Geschlecht ist von der Umwelt erlernt aber auch Folge freier Entscheidung.

Queer ist jeder, der aus dem durch die Gesellschaft vorgegebenen Rollenmuster fällt, das in seiner Gesellschaft dem biologischen Geschlecht zugestanden wird. Queer sind also NICHT nur Homosexuelle, sondern Transsexuelle, Bisexuelle, aber ganz genauso auch Asexuelle. Auch wer sich aus Sexualität einfach nichts macht, ist queer. Und das trifft ja auf viele ABs zu. Sie fühlen sich in einer Lebensphase daheim, die eben noch nicht sexuell ist. Ich denke, dass auch das erotische Babyspiel queer ist, da ein Mann, der sich von seiner Geliebten aus Lust füttern oder einchremen, baden oder anziehen lässt ja aus der in Deutschland vorgesehenen Rolle des Mannes fällt.


Gut finde ich auch die Bezeichnung "Culturally Queer" für Menschen, die eben die Geschlechterrollen ihrer Kultur hinterfragen. Ich kann mit den Rollen ja auch spielen, sobald ich überzeugt sind, dass mir alle offen stehen. Wenn ich einen tag in die Männerrolle schlüpfe, einen Tag Baby bin und am nächsten Tag Frau, dann ist das culturally queer. Aber auch wenn ich entscheide, dass die kulturell verankerte Geschlechterrolle zu mir passt, wenn ich etwa als Frau in einer AB-Beziehung Mami spiele, dann passt das, denke ich, zum Queerbegriff.

Zartbitter

janbaby
09.11.2009, 12:35
Kuckuck,
Ich finde "bunt" echt gut. aber es trifft meiner Meinung nach halt nicht ganz den Punkt, es ist halt nur ein ungenauer Überbegriff so wie "quer".
Neue Idee für einen vielleicht etwas eingrenzenderen Begriff: "adid"
Eine Wortschöpfung, zusammengesetzt aus "adult" und "kid". Keine Ahnung, ob das nich auch doof is? Aber "bunt" find ich doch echt ganz gut. Wie wärs mit "bunti", "die Bunties". Ich finde mich ziemlich bunti!
Gruß,
Janbaby :regenbogen:

Bongo
09.11.2009, 14:10
Original von janbaby
"adid"
Eine Wortschöpfung, zusammengesetzt aus "adult" und "kid".
da gibts auch schon seit jahren das wort "Kidult", was irgendwie leichter über die lippen geht.

also ich find AB, DL und AC sind wunderbare oberbegriffe, die schon da sind, und ich check nicht, warum man jetzt unbedingt noch einen braucht. habt ihr kein anderes hobby? *FG*

irgendwie sollte man sich von dem ganzen schubladendenken mal befreien. das ist der wahre weg zur freiheit und liberalisierung. nicht die schaffung von noch mehr schubladen.

mal ganz abgesehen davon: ich hab hier viele nette liebenswerte leute kennengelernt. aber halt nicht nur solche. und mit den anderen brauch ich ned unbedingt in einer kategorie zu existieren. besonders wenn diese dann erst noch neu erfunden werden soll.

Zartbitter
09.11.2009, 14:23
Hallo Bongo,

auch ich denke, man sollte keine Kategorien neu erfinden.

Es geht mir auch eher darum mich einzugliedern als auszugliedern.

Ich finde, wenn wir uns als Teil der Queerbewegung begreifen, zeigt das doch, dass wir frei sind, frei von traditionellen Normen und unhinterfragten Rollen.

Ich finde, der Begriff "Queer" hat nichts Einengendes, sondern etwas einschließendes. Im Prinzip ist jeder Mensch, der sexuelle Normen hinterfragt und nicht einfach Traditionen folgt, ohne sie in ihrer Herkunft und ihren Folgen zu durchdenken queer.

Wir haben das gleiche Bedürfnis wie alle Queers. Wir wollen die Lebensweisen, die wir für uns als richtig und schön erkannt haben ohne Vorurteile ausleben. Das ist der Wunsch, der uns mit Transen, Bis Homos und wem auch immer verbindet.

Ich finde den Begriff "Queer" gerade gut, weil er auf SCHUBLADEN verzichtet, sondern für jeden offen ist.

Zartbitter

Persönliches P.S.:
Ich definiere mich auch deswegen gerne als queer, weil ich mich mit der Vorstellung, Windeln seien ein Fetisch, nicht anfreunden kann. Es geht beim gegenseitigen Wickeln für mich eben nicht darum, dass die Windeln als Gegenstand Lust erzeugen, sondern die Lust wird durch den fürsorglichen Umgang und die liebevolle Umsorgung angefacht. Und damit ist es eben ein ROLLENSPIEL und kein FETISCH.

Bongo
09.11.2009, 15:25
naja zartbitter, deine meinungen über die bedeutung des brgriffs "queer" in allen ehren.
leider kommuniziert die internationale welt auf englisch, und benutzt zur begriffsdefinition öffentlich zugängliche wörterbücher und nicht das, was irgendwer grad meint.

drum gibts da 2 aspekte:

1. die sprachliche übersetzung:
wenn du mal hier nachguckst http://dict.leo.org/ende?lp=ende&lang=de&searchLoc=0&cmpType=relaxed&sectHdr=on&spellToler=on&chinese=both&pinyin=diacritic&search=queer&relink=on
dann kannst du dir ja gerne eine passende übersetzung ins Deutsche raussuchen. die sind fast alle sehr negativ belegt.

2. die verwendung von "queer" in einer "neuen" form, ähnlich wie bei "Schwul", das ja auch ursprünglich ein schimpfwort ist:
guckst du http://de.wikipedia.org/wiki/Queer und da den Absatz über "Neubewertung". daraus kann man ersehen, dass der begriff inzwischen von sovielen verschiedenen gruppen in komplett gegensätzlicher weise verwendet wurde, dass er inzwischen total verwässert ist und eigentlich garnichts mehr aussagt.

wenn ihr wirklich einen funktionierenden oberbegriff kreieren wollt, dann würd ich eher dazu raten, nen neuen zu erfinden, der genau auf unsere situationen zugeschnitten ist. dazu müsste man natürlich auch erstmal analysieren, welche arten von leuten es gibt, und wie die formulierungsmäßig unter einen hut zu bringen wären. viel spaß ;)

aber "queer" finde ich ungeeignet. wenn man dieses wort jetzt auch noch mit der zigtausendsten bedeutung (windelfans im weitesten sinne) anreichern würde, dann wird es dadurtch nicht eindeutiger, sondern nur noch missverständlicher. am ende weis keiner mehr, ob er jetzt grad den schwulen annervt, weil er ihn mit windeltexten vollquatscht -- oder ob er grad den heterosexuellen windelfan reinstresst, weil er ihn aufgrund des begriffs "queer" als schwul verstanden hatte, und ihn grad anflirtet. das führt doch nur zu chaos, und macht die welt (finde ich) nicht einfacher sondern komplizierter.

Zartbitter
09.11.2009, 23:54
Nun ja, Bongo,

meine Definition habe ich auch aus Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Queer-Theorie

Ich zitiere:
Die Queer-Theorie (engl. queer theory) ist eine Kulturtheorie, die sich Anfang der 1990er Jahre in den USA entwickelte und den Zusammenhang von biologischem Geschlecht (engl. sex), sozialen Geschlechterrollen (engl. gender) und sexuellem Begehren (engl. desire) kritisch untersucht. Die Queer-Theorie geht davon aus, dass geschlechtliche und sexuelle Identität nicht „naturgegeben“ sind, sondern erst in sozialen und kulturellen Prozessen konstruiert werden. Unter Rückgriff auf die Methoden und Erkenntnisse von Dekonstruktion, Poststrukturalismus, Diskursanalyse und Gender Studies versucht die Queer-Theorie, sexuelle Identitäten, Machtformen und Normen zu analysieren und zu dekonstruieren. Als wichtige Theoretiker und Vordenker gelten u. a. Michel Foucault, Judith Butler, Eve Kosofsky Sedgwick und Michael Warner. Die Anwendung der Queer-Theorie in einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen bezeichnet man als Queer Studies.
Die neuere Queer-Theorie beschäftigt sich nicht nur mit der Dekonstruktion von Sexualität, sondern mit allen Aspekten der Kultur, wobei immer wieder ein Bezug zu Geschlechtern und Geschlechterrollen hergestellt wird, vor allem aber Ausbeutungsverhältnisse kritisiert werden. Einer der wichtigsten Punkte ist dabei die radikale Offenheit des Begriffes queer. Das bedeutet, dass er in zahlreichen Debatten immer wieder durch verschiedene Gruppen neu angeeignet werden muss, die inkludiert werden wollen (z. B. schwarze Lesben, die aus dem Landproletariat kommen; heterosexuelle Sympathisanten queerer Einstellungen usw.). Da diese Definition von queer – radikale Offenheit durch immer wiederkehrende Reinterpretation des Begriffes – selbst nur eine Definition von queer ist, die selbst verändert werden kann, ist es auch nicht weiter verwunderlich und sogar im Sinn von queer, auch von politischen Gruppen, die seine Offenheit einzuschränken versuchen (z. B. queer, als Synonym für LesBiSchwul und transgender Menschen usw.), sowie von apolitischen Gruppierungen als „Spaßbezeichnung“ verwendet werden zu können.

Bongo,
wenn du diese Definition nimmst, dann ist "queer" ein erweiterbarer Begriff.

Zartbitter

cassandra
10.11.2009, 10:00
Original von Zartbitter
...
Persönliches P.S.:
Ich definiere mich auch deswegen gerne als queer, weil ich mich mit der Vorstellung, Windeln seien ein Fetisch, nicht anfreunden kann. Es geht beim gegenseitigen Wickeln für mich eben nicht darum, dass die Windeln als Gegenstand Lust erzeugen, sondern die Lust wird durch den fürsorglichen Umgang und die liebevolle Umsorgung angefacht. Und damit ist es eben ein ROLLENSPIEL und kein FETISCH.

Hallo Zartbitter,

Windeln sind für dich persönlich ein Rollenspiel, aber für viele andere eben doch ein Fetisch.

Meines Erachtens kann man Windeln vielerlei definieren. Für mich persönlich als DL sind sie Fetischobjekt, denn ich "komme" damit real und als Kopfkino einfach viel schöner, als AC sind sie wie bei dir ein Teil, der Fürsorge bringt und als manchmal praktisch veranlagte Frau bringen sie einfach Einfachheit (gg) ins Leben, wenn ich nicht auf einer Kirmes verzweifelt nach einer dreckigen Toilette suchen muss...

Das Gleiche ist bei mir beim Spanking. Es ist für mich ein Fetisch (weil Lustgewinn), aber auch ein Erziehungsmittel (weil mein Partner und ich eine DD-Beziehung haben).

Also...lassen wir einfach jeden die Windeln so benennen, wie es für ihn richtig ist. ;) :)

Das musste ich einfach loswerden. :danke:

lg cassi

Bongo
10.11.2009, 15:36
Zartbitter, ich hab mal den von dir verlinkten wiki-artikel gelesen, und ich fand ihn ziemlich unsinnig. Dann hab ich mal links in der navileiste auf English geklickt, und schon ergibt's sinn. Es handelt sich hier ursprünglich um ein Universitätsfach, das sich aus http://en.wikipedia.org/wiki/Queer_studies und http://en.wikipedia.org/wiki/Women%27s_studies entwickelte. Die letzteren beiden gab es schon, als ich dort studierte. Eigentlich ging es dabei ursprünglich um die erschließung des kulturellen kreises "queer" über die literatur. inzwischen hat sich das ganze zu einer art bewegung wie dem feminismus entwickelt.
Soweit die zusammenfassung. trotzdem halte ich das für unsinnig.
Man nehme einen Begriff "queer", pervertiere ihn, und erweitere ihn dann stück für stück, bis er irgendwann absolut alles denkbare beinhaltet. dadurch verliert er seine existenzberechtigung, weil man dann ja gleich alles "Mensch" nennen könnte.

Zartbitter
11.11.2009, 09:52
Hallo!

ich verstehe deine Bedenken, Bongo. Begriffe, die man zu sehr dehnt verwässern. Da hast du Recht.

Es kommt aber darauf an, was man mit der Verwendung eines Begriffes erreichen möchte.

1. Du sagst, Begriffe sind dann sinnvoll, wenn sie etwas genau definieren. Das ist eine wichtige Funktion von Wörtern. Das sehe ich auch so. Wenn ich sagen kann: "Im Schaufenster hängt ein grau-rot-gemusterter Dufflecoat aus irischer Lammschurwolle.", dann weiß der Zuhörer, was ich gesehen habe. Er kann es sich besser vorstellen, als wenn ich gesagt hätte: "Da hängt so ein Mantel."

In vielen Fällen ist es gut und richtig die Begriffe zu verwenden, die am exaktesten sind.

2. Janbaby ging es aber nicht um eine exakte Beschreibung unserer Vorliebe, sondern darum, einen Begriff zu finden, bei dem die Hörer sagen: "Der ist nicht abartig. Der ist wie wir. Der ist Teil unserer Gesellschaft." Und dazu ist ein Begriff mit verschiedenen Bedeutungsinhalten nicht unsinnig, scheint mir.

Ich bin etwa in einem Gastgeberforum Mitglied der Queer-Gruppe. Die meisten sind dort homosexuell, aber insgesamt steht die Gruppe jedem offen, der die traditionellen sexuellen Rollen nicht als verbindlich ansieht, sondern tolerant ist für alle Lebensformen. Ich fühle mich in dieser Gruppe wohl, denn sie schließt niemanden aus, sondern jeden ein, der offen ist.

Wenn ich in einem Formular als meine Ethnie schreibe, ich bin ein Erdenbewohner, dann ist das nach deiner Definition, Bongo, Quatsch, weil der Begriff nicht exakt ist. Wenn ich aber einen weniger exakten Begriff benutze und nicht schreibe, dass ich Schwäbin bin, dann zeige ich, dass mir die genaue Schublade nicht interessiert.

Wenn ich also den unexakten Begriff verwende, mache ich sehr wohl eine Aussage. In dem Fall der "Weltbürgerin" oder des "Queer" sage ich einfach: Ich bin offen. Ich bin tolerant. Und wenn ich Mitglied einer Queergruppe bin, dann nehme ich gerne ein Männerpaar bei mir auf, kann aber erwarten, dass auch die Menschen, die mich anschreiben meine sonderbaren Vorlieben ab und an Baby zu sein akzeptieren.

Zu den Gender-Studies:
Der Studiengang Gender wurde geschlossen. Ich weiß. Auch eine Freundin von mir musste mit Soziologie weitermachen - und da gehört die Genderthematik ja auch hin. So eine fächerverbindendes Fach war eine spannende Idee aber dann eben doch vom Forschungsgebiet etwas zu schmal, vermutlich. Das heißt ja aber noch nicht, dass der grundgedanke, zwischen angeborener und kultureller Sexualität überholt ist auch wenn sich in den populärwissenschaftlichen Regalen immer mehr Biologistisches findet.

denkt Zartbitter

Bongo
11.11.2009, 12:03
Original von Zartbitter
Wenn ich in einem Formular als meine Ethnie schreibe, ich bin ein Erdenbewohner, dann ist das nach deiner Definition, Bongo, Quatsch, weil der Begriff nicht exakt ist.
naja, nee, ne :)
so ist das nicht. objektorientiert gesehen bist du mit dem attribut ethnie eine unterklasse vom objekt menschheit, das wiederum eine unterklasse vom objekt welt ist. so gesehen ist es eine völlig klare und logische einordnung, die du da vornimmst. da würde ich nicht widersprechen. was ich meinte war weniger der grad der exaktheit. ich meinte den grad der in der praxis potentiell problematischen uneindeutigkeit. klingt vielleicht haarspalterisch, aber das sind schon zwei verschiedene dinge.


Original von Zartbitter
Janbaby ging es aber nicht um eine exakte Beschreibung unserer Vorliebe, sondern darum, einen Begriff zu finden, bei dem die Hörer sagen: "Der ist nicht abartig. Der ist wie wir. Der ist Teil unserer Gesellschaft." Und dazu ist ein Begriff mit verschiedenen Bedeutungsinhalten nicht unsinnig, scheint mir.
ich hatte das schon verstanden. aber ich kann daraus nur schließen, dass er (oder ihr beide) den begriff "windelfetischist" oder "windelfans" abartig findet. ich find an dem wort nichts schlimmes. es ist nur eine wertfreie beschreibung, sonst nix.

einen begriff zu verwenden, an dem ein ganzes konglomerat an bedeutungsinhalten dranhängt, finde ich nicht sinnvoll. Und zwar deshalb, weil man dann alles so sehr verallgemeinert hat, dass es eigentlich auch gereicht hätte, einfach ein Mensch in der Welt zu sein. es wäre nur ein verstecken in der menge der "allgemein andersartigen". das kann ja für den einzelnen sehr unterstützend sein, und auch ganz nett. aber es kontrahiert doch ganz grundsätzlich das, was janbaby und du euch wünscht, nämlich in der gesellschaft mit euren spleens integriert und akzeptiert zu werden.

mir ist schon klar, dass ihr eine "objektklasse" sucht, in der viele einzelvorlieben gewissermaßen als "große alternativkultur" zusammengefasst sind. aber eigentlich haben wir das doch alles schon, und vielleicht wärs ratsam wenn ihr einfach mal zu ein paar stammtischen geht. dann könnte euch klar werden, dass ihr das rad nicht neu erfinden müsst, weil es schon rollt. ihr seid blos noch nicht richtig dabei :)

Zartbitter
11.11.2009, 12:26
Lieber Bongo,

deine Antwort fand ich gut nachvollziehbar.

Ich wollte nur noch erklärend schreiben, dass es bei der Suche nach dem "positiven Oberbegriff" wie Janbaby es meint, nicht darum geht, ob wir selbst den Begriff positiv sehen.

(Ich selbst würde mich nie als Windelfetischistin beschreiben, weil ich nun mal dem Gegenstand Windel keine besondere Bedeutung beimesse, sondern mich eher die Handlung des gegenseitigen Wickelns erregt. Fetischismus bedeutet meiner Meinung nach, dass es das Ding ist, das sexuelle Wünsche auslöst. und ich möchte schon klarstellen, dass ich Menschen liebe und sexuell begehre und keinen toten Gegenstand. Ich selbst empfinde das Wort Fetischismus als negativ, aber Cassandra zum Beispiel hat da ja ihre andere Meinung schon geschrieben. Die Frage, wie WIR HIER die Worte besetzen und konnotieren setze ich hier in Klammern, denn es hat mit dem Thema an sich nichts zu tun)

Janbaby ging es eher darum, wie andere den Begriff bewerten, um das Image nach außen Ich selbst habe einen sehr toleranten Bekanntenkreis und niemand würde mich als abartig schelten, wenn ich erzähle, dass ich mit Janbaby gerne Kleinkind spiele. Das finden alle, denen ich das erzählt habe als verständlich, sehen es, wie ich, als eine Bereicherung an, können nachvollziehen, dass uns das Vertrautheit gibt und das geborgenheitsgefühl stärkt. Ich habe sehr tolerante Freunde, die keine Vorurteile haben, selbst wenn sie meine Vorliebe nicht teilen.

Janbaby hat andere Erfahrungen gemacht, etwa die, dass seine Ex ihn für pädophil hielt, als er seine Lust am Wickeln erklärte. Und deswegen, so verstehe ich ihn, würde er es schön finden, wenn man sich an einen anderen, schon eingeführen, positiven Begriff wie "queer" annäheren kann, ein Begriff, der die Menschen auf das Unbekannte neugierig macht, statt abzuschrecken. Und ich wette, dass sicher ein nicht zu kleiner Teil der Menschen zwar noch ziemlich intolerant ist, andererseits aber doch Dingen, die "trendy" sind, offener begegnet.

Nehmen wir an, ich will einem Mann erklären, dass ich Wickelspiele mag. Es ist ihm bisher vollkommen fremd. Dann ist es sicher leichter zu sagen: "Schatz, wir sind uns doch einig, dass die traditionellen Geschlechterrollen veraltet sind. Wir sind modern. Wir müssen unsere Rollen selbst finden, statt sie selbst zu übernehmen. Wir sind doch beide zumindest culturally queer. Lass uns doch neue Rollen ausprobieren. Liebling: Lass uns doch mal Babypärchen spielen."

Das klingt doch einladender als zu sagen: "Schatz. Ich bin Windelfetischist"

Meinst du nicht?

Bongo
11.11.2009, 13:57
hm, sowas darfst du mich nicht fragen :)
ich würde es in beiden fällen nicht so ausdrücken. vermutlich würde ich versuchen, zweideutigkeiten zu vermeiden, und auch sicherzustellen, dass der andere keine andere wortdefinition von dem haben kann, was ich sage. damit meine ich, dass sich unter "Windelfetischist" vielleicht nicht jeder dasselbe vorstellt, oder mancheiner garnicht weis, was es sein soll. ich glaube ich würde eher sowas wie "ich zieh gern windeln an und find das auch an anderen attraktiv" sagen. da gibt es keine interpretationsmöglichkeiten :)

das mit dem image nach außen... naja... keine ahnung. vielleicht wärs da trotzdem besser, aufklärung zu betreiben, anstatt einem relabelling.

janbaby
11.11.2009, 20:13
kuckuck,
Also, jetzt komme ich mir wieder einmal völlig bekloppt vor. Hätte ich doch nur dieses fucking Abi gemacht und was ordentliches studiert. Ich bin aber einfach nur Schreinergeselle und deshalb sag ich: Ich bin bunt!
Gruß,
Janbaby :regenbogen: :danke:

littlekid
11.11.2009, 20:26
Ich finde die Begriffswahl "queer" auch eher ungeschickt. Aktiv benutze ich dieses Wort überhaupt nicht und verstehen tu ich ihn bestenfalls als Synonym für "homosexuell". Zumindest interpretiere ich da nichts mit Vorlieben egal welcher Art hinein. Ich denke mal, so wird es den meisten gehen, wenn sie denn überhaupt den Begriff schonmal gehört haben.

Gruß,
littlekid

Bongo
11.11.2009, 22:09
Original von janbaby
kuckuck,
Also, jetzt komme ich mir wieder einmal völlig bekloppt vor. Hätte ich doch nur dieses fucking Abi gemacht und was ordentliches studiert. Ich bin aber einfach nur Schreinergeselle und deshalb sag ich: Ich bin bunt!
Gruß,
Janbaby :regenbogen: :danke:
also nach einem positiven begriff zu suchen, der eher zuneigung als abneigung auslöst, ist ja garnicht schlecht.
und das gespräch darüber finde ich durchaus berechtigt.
so bekloppt kann die idee also nicht gewesen sein :)
vielleicht hat ja noch jemand nen vorschlag...

cassandra
11.11.2009, 22:14
Original von cassandra
...

Ich für meinen Teil halte mich einfach für "bunt". *smile* Das kommt eigentlich von einer damaligen guten Freundin. Sie meinte, ich wäre der bunte Typ. ...

Sag ich doch, Jan. ;) Ich doch auch. :ja:

:feuerflummi:cassi

janbaby
16.11.2009, 19:49
Kuckuck,
Schau mal unter www.genderqueerrevolution.com, ist auch bestimmt nicht unanständig. Es geht um die Freiheit sein zu können wie man möchte. Passt thematisch ganz gut, finde ich.
Gruß,
Janbaby :danke:

Bongo
17.11.2009, 11:07
nix

cassandra
17.11.2009, 12:02
Hallo Jan,

dein Link funzt nicht. ;)

lg cassi

Zartbitter
17.11.2009, 12:08
http://www.genderqueerrevolution.com/

so geht es, oder?

cassandra
17.11.2009, 12:11
Jep, so gehts. :ja: :danke:

lg cassi