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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Was machen gute Diskussionen aus?



Lebensinsel
13.07.2011, 10:53
Bezugnehmend auf die laufenden Threads, in denen versucht wird, einige Verbesserungen im Forum herauszuarbeiten, möchte ich mal ein paar Gedanken beisteuern, die sich vermutlich als eigenständige Thematik erweisen, aber mit den bereits laufenden durchaus in Konsens zu bringen sind.

Wozu dient ein Beitrag – oder besser gesagt: Welchen Zweck verfolgt ein Beitrag? Diese Frage stellen sich wohl die meisten von uns, wenn wir auf einen laufenden Thread antworten, und spätestens dann, wenn wir uns wieder mal an den Computer setzen, um ein neues Thema anzuschneiden. Wenn wir dann die Anzahl und den völlig unterschiedlichen Gehalt der Reaktionen Revue passieren lassen, kann man durchaus einmal das Bedürfnis verspüren, zwischendurch einige allgemeine Überlegungen zu dieser Frage mit seiner Leserschaft zu teilen.

Ein Thread kann nicht dazu da sein, ein beliebiges Thema erschöpfend, unter allen nur möglichen Aspekten, sowie unter Berücksichtigung sämtlicher zugänglicher Quellen, abzuhandeln, und daraufhin den Anspruch von Unfehlbarkeit zu erheben. Mit einem solchen Anspruch würde vielleicht nur alle Jubeljahre mal ein neuer Thread eröffnet werden.

Des Weiteren wird ein ernstzunehmender Beitrag niemals versuchen, anderen das eigene Denken abzunehmen - sprich: sich eine Autorität anzumaßen, welche die geistige Mündigkeit seiner Leser in Frage stellt.

Was aber ein guter Beitrag kann und sollte, ist, Dinge in Bewegung zu bringen - geistig, mental, emotional und auch physisch. Dazu gehört meines Erachtens, Dinge ins Bewusstsein zu rücken, die ganz offensichtlich (noch) nicht geistiges Allgemeingut sind, das Risiko zur Lücke einzugehen, und auch kontroverse Diskussionen anzuregen. Es ist selbstverständlich, dass jeder Themensteller zu diesem Zweck so genau und so sorgfältig recherchiert, wie es unter den gegebenen Umständen eben möglich ist, und nicht nur irgendwelche Behauptungen in die Welt setzt.

Das ist oft gar nicht so einfach: Jeder, der schon einmal selbst ernsthaft versucht hat, sich in unserem Informations- (oder besser gesagt: Desinformationszeitalter) ein wirklich zutreffendes Bild von bestimmten Dingen zu verschaffen, weiß, wie schwer es bei allen Bemühungen ist, dieses Ziel zu erreichen. Obgleich es eigentlich selbstverständlich sein sollte, dass wir allenthalben auf wahrhaftige und selbstlose Menschen oder Informationsquellen treffen. Die Realität sieht aber leider ganz anders aus, wie wir alle wissen - und dies ist eine objektive Wahrheit. Es ist extrem schwierig, bei dem Überangebot an Websites, Videos, Lexika, TV-Sendungen, Nachrichten, Zeitschriften und Zeitungen, Meinungen und Gehirnwäschen die Essenz einer Sache herauszufiltern.

Oft werde ich von meinen Lesern nach einer Veröffentlichung zu einem bestimmten Thema auf eine Website verwiesen, „auf der alles ganz anders ist“ als ich es geschrieben habe. Nun, das ist eine unleugbare Tatsache: man wird zu nahezu JEDEM Thema Websites finden, die sich oft diametral widersprechen. Und jeder Leser darf sich dann aussuchen, was und wem er glaubt!

Was eine seriöser Beitrag zur Wahrheitsfindung beitragen kann, ist: wichtige Aspekte zu einer Sache beizusteuern, Fragen zu stellen, Denkanstöße zu geben und sich selbst öffentlicher Diskussion auszusetzen. All dies hat einen gemeinsamen Nenner: Der Beitrag setzt Impulse, die ohne ihn nicht da wären. Und er verhilft im besten Falle der Gesamtheit der Community zu weiterem Wachstum in Richtung mehr Wahrhaftigkeit. Mehr kann ein Thread oder ein einzelner Beitrag nach meiner Einschätzung kaum leisten.

In diesem Sinne geht es mir also in meinen eigenen Beiträgen darum, zu helfen, dass aufgrund meiner Informationen jeder Interessierte selbst beginnt, sich intensiver mit einem gegebenen Thema auseinanderzusetzen, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Je mehr Leser/innen dies nach dem Lesen einer Schrift tun, desto mehr wächst das morphogenetische Feld objektiver Wahrheit und wird im Lauf der Zeit für immer mehr Menschen zugänglich. Wir müssen uns gemeinsam durch einen solchen Wust an Desinformation wühlen, dass die Wahrheitsfindung manchmal schier unerreichbar erscheint. Aber je mehr Menschen sich mit der Machete durch die Schlingpflanzen hacken, desto lichter wird das Unterholz, und die unverhüllte Klarheit der Wahrheit wird sich Stück für Stück herauskristallisieren.

Entsprechend fühle ich mich verpflichtet, nicht nur Tatsachen darzustellen, so gut mir dies möglich und nachprüfbar ist, sondern auch zugrunde liegende Motive und mögliche Ausblicke auf Entwicklungen herauszuarbeiten, oder auch anzudeuten. Diese Arbeit kann und will jedoch keinerlei Anspruch auf Fehlerlosigkeit oder Unwiderlegbarkeit erheben. Ich gehe ganz bewusst das Risiko ein, dass ich angegriffen und sogar völlig widerlegt werde. Doch wird der erfreuliche und gewünschte Effekt sein, dass etwas in Bewegung kommt - in Bewegung zugunsten einer geistig agilen, kommunikativen, freieren und positiveren Welt.

Nun danke ich ganz herzlich für eure Aufmerksamkeit und hoffe, in ganz anderem Sinne als sonst etwas zum Wachstum unserer Community beigetragen zu haben.

Lebensinsel